Haruki Murakami – Kafka am Strand

Murakami beschreibt die Geschichte eines jungen Ausreißers, der sich früh von seiner Mutter verlassen und von seinem Vater nicht geschätzt sieht.
An seinem 15ten Geburtstag bricht er gen Süden auf, beschließt sich von nun an Kafka zu nennen, nach seinem illusionären Krähen-Freund.

Ein zweiter Handlungsstrang beschreibt einen mysteriösen Vorfall, der sich kurz nach dem zweiten Weltkrieg ereignete: Während eines Klassenausflugs fallen 16 Kinder nacheinander in Ohnmacht und machen dabei unbekannte Beobachtungen. Alle Kinder wachen bald wieder auf, nur Nakata verbleibt im Koma. Als er wieder aufwacht hat er sein Gedächtnis und die meisten seiner Fähigkeiten verloren – dafür beherrscht er aber die Katzensprache und kann sich fortan mit den Stubentigern unterhalten. Ihnen kommt in der Geschichte eine besondere Bedeutung zu: Sie verfügen über bedeutende Kenntnisse und können als Schlüssel zu verborgenen Welten und mysteriösen Vorgängen verstanden werden.

Kafka’s Reise führt ihn nach Takamutsa, wo er sich sofort einer außergewöhnlichen Bibliothek zuwendet. Dort lernt er Oshima kennen, einen freundlichen, belesenen jungen Mann, der sich später als geschlechtsneutraler Helfershelfer entpuppt. Kafka findet in der Bibliothek Anstellung und verliebt sich in die Mäzänin Saeki-san. Die Prophezeiung seines Vaters, er werde sich mit seiner Mutter und seiner Schwester vereinigen, erfüllt sich auf verhängnisvolle Weise. Saeki-san stellt sich als seine Mutter heraus, die seit dem Verlust ihres einst angetrauten Jugendfreundes in ihren Erinnerungen lebt, und dazu das Lied „Kafka am Strand“ geschrieben hat, das bedeutende Hinweise zum weiteren Fortgang der Geschichte enthält.

Nakata reist, einer inneren Stimme folgend, ebenfalls nach Takamutsa, wo er den Eingang zu einer Parallelwelt öffnet, um die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Denn was schief ist, muss Nakata wieder gerade rücken. Er findet Unterstützer und kann seine Mission ausführen.

Murakami experimentiert in seinem Werk mit mysteriösen Gegebenheiten und Zugängen zu anderen Welten. Er ist bemüht, das Werk durch verschiedene Zitate philosophischer Literatur nicht in eine Fantasy-Ecke abgleiten zu lassen, was ihm jedoch nur teilweise gelingt.
Das Buch wirkt wie ein Vorläufer zu „Hard-Boiled Wonderland“, ohne dessen ausgearbeitete Einzelheiten der Parallelwelt.

Auch in diesem Buch schafft Murakami wieder die einzigartige Stimmung, die seinen Werken innewohnt. Jemand sagte einmal, Murakamis Bücher wirken tröstlich auch auf Leute, die keinen Trost brauchen. Das trifft sehr gut zu.

Wer spannende innere Handlungen und emotionale Bücher mag, der wird diesen Murakami lieben. Für mich persönlich war es eines seiner schwächeren Bücher. Ich bin froh, dass ich dieses nicht als erstes von ihm gelesen habe, denn sonst wäre mir womöglich der Zauber seiner anderen Bücher verborgen geblieben.

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